Donnerstag, 6. Dezember 2018

es kugelt und rugelt durch die Stube und den Kopf



Während Klein-Pauli durch seinen Laufstall wippt und kugelt, versuche ich, einige Gedanken in Worte zu fassen, die mir seit geraumer Zeit durch den Kopf gehen.
Was ist es denn, das Schwierigste dieser neuen Etappe? Schlafmangel? Das "zu-nichts-kommen"? Fehlende Regeneration - Möglichkeit?

Für mich ist es etwas anderes: Die Verantwortung. Jeden Tag muss ich Entscheidungen treffen, die einen Einfluss auf ein anderes Menschenleben haben. Und zwar einen grossen Einfluss. Bisher konnte ich immer für mich entscheiden, nun entscheide ich für jemanden mit. Manche Entscheidungen scheinen sehr leicht - eine volle Windel sollte gewechselt werden, ein hungriges Kind gefüttert, etc. Aber: was, wenn man "windelfrei" erzieht? Was, wenn man feste Esszeiten eingewöhnen möchte?
Es gibt unzählige Bücher, Foren im Internet, Facebook Gruppen. Man kann sich wortwörtlich verrückt machen vor lauter Information. Man lernt eine neue Sprache: Es gibt StiBes und MüBes, KiA, Hebi, SchwiMu, Pekip, LLL, TT, BW, MuMi, PuMi, BLW,...
Und da sind die Peer-Gruppen: die Mamis vom Rückbildungs-Yoga; die Freundinnen, die auch Mama sind; die eigenen Verwandten, Eltern, Grosseltern. Die Hebamme sagt "bloss kein Fleisch, Kuhmilch ok", die Kinderärztin "bitte Fleisch, aber keine Kuhmilch vor einem Jahr". Es gibt Langzeit-Stillmamis (gerade aktuell polemisiert in der Regenbogenpresse), es gibt Musiker-Kolleginnen, die gar nicht stillen, weil es nicht mit dem Tournee-Plan überein stimmt. Es gibt Babies, die ab 3 Monaten in der Kita sind und Mamas, die zuhause bleiben bis die Kiddies zur Schule gehen. Es gibt böse Worte wie "Schlaftraining", "Erziehung von Anfang an". Und vor allem: es gibt kein Thema, das "wertfrei"diskutiert werden kann, denn: jede Mama macht es richtig, also ist ihr Weg der richtige Weg. Beziehungsweise: jede Mama hat es richtig gemacht und die nun erwachsenen Kinder sind der lebende Beweis dafür, dass man es richtig gemacht hat...
Wie kann man damit umgehen? Leben und leben lassen, meine ich da. Gerade im Netz finden teilweise gruselige Diskussionen statt, wie bei allen Themen, wird man auch als Mama immer hinterfragt, es gibt richtige Trigger-Themen, über welche virtuelle, ja sogar analoge Freundschaften plötzlich auf dem Spiel stehen (ich nenne impfen, schlafen, stillen, "verwöhnen", fördern, betreuen,...). Ganz ehrlich: Jeder, bzw. Jede findet ihren Weg. Dass es sooooviel Information gibt, Bücher, (die teilweise sich komplett widersprechen), Austauschmöglichkeiten, das zeugt meines Erachtens davon, dass es eben kein Ponyhof ist, dieses Leben, dass sich viele Mütter Sorgen machen, oft um dieselben Dinge. Auch dass man sich (zu) oft eine Bestätigung erhofft von dem Weg, den man wählt. Das klingt jetzt sehr abgebrüht, ist es aber nicht... ich habe schonmal einen ganzen Tag heulend am Telefon mit allen Mama-Freundinnen verbracht, weil ich nicht mehr weiter wusste. Vor lauter Bäumen sieht man oft den Wald nicht mehr, wa?
Ich bin ein Mensch, der den Sachen auf den Grund gehen möchte und ich will es richtig machen. Aber jeden Tag stelle ich aufs Neue fest: Es gibt kein richtig und falsch, es gibt nur die Entscheidung, die ich treffe dazu. Ich entscheide, was richtig und was falsch ist - und das ist doch eigentlich krass, oder? Auf jeden Fall eine grosse Verantwortung.

Aber dann gibt es dieses Wort "Beziehung" und das versöhnt mich immer wieder mit meinem Gedanken Karussell: Eine Beziehung ist ein Geben und Nehmen und steht und fällt mit Kommunikation. Nun sagt mir Paul (noch) nicht: "Du, Mama, also ich finde den Brei gerade ziemlich lecker, aber die Konsistenz geht ja gar nicht, bääääh", aber er kann das auch anders ausdrücken, glaubt mir! In einer Beziehung muss es für beide Personen stimmen. Also sollten sowohl die Bedürfnisse von Paul, wie auch von mir irgendwie gedeckt sein. Dabei macht man Abstriche, klar, aber sich selber aufgeben ist in einer Beziehung nicht gesund. Davon abgesehen, gibt es auch noch die Beziehung zum Papa (sowohl meine wie auch die von Paul zu Papa). Eine Dreieck-Beziehung also, die zwischen allen Beteiligten harmonisch verlaufen sollte. Wir finden unseren Weg!
Wenn Paulchen also zwei Vormittage die Woche von der wundervollen Bea betreut wird, damit ich in die Bibliothek kann, dann profitiert er doppelt: Bea ist toll und Mama super gut drauf, wenn sie wieder da ist.
Wenn Paulchen nun schon sieben Zähne hat und diese gerne braucht, ausserdem Brei in Mengen verspeist, dann wird eben immer mehr gekuschelt als gestillt.
Und seit das neue Elternbett da ist, schläft Paul nun in seinem Zimmer - zumindest die erste Nachthälfte. Danach kommt er in die Mitte (und muss beide berühren können, sonst ist doof).

Was mir jedoch am meisten Mut macht und mich jeden Tag aufs Neue bestätigt, dass eben doch alles ganz ok ist: Paul wächst, gedeiht, lacht, brabbelt und lernt jeden Tag etwas dazu. Er entdeckt die Welt mit Mund und Händen, reagiert auf Musik (Mozart beruhigt, Clueso ebenso, Mamas und Papas Musikwelten sind beide in Ordnung :-)), er kriegt bei watschelnden Enten einen Lachanfall. Auch wenn es in der Hose knattert, muss er grinsen.... Beim Mittagsschlaf liegt er am liebsten Gesicht an Gesicht, die Patschehändchen um meinen Hals (oder den vom Papa) gedrückt.
Er ist ein Sonnenschein und bringt seine Umwelt zum Strahlen. Es ist zum Weinen schön...

Und ab Januar ist Papa zuhause erstmal und ich gebe Gas bei der Diss und am Klavier. Das stimmt schon alles...

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